Woran Sie Rattenbefall sicher erkennen
Die Wanderratte, um die es im Garten fast immer geht, lebt in selbst gegrabenen Bauen. Sichtbar werden Erdlöcher mit auffällig glattem, festgetretenem Eingang — bevorzugt an Kompost, Gartenhaus, Terrassenkante oder entlang von Mauern. Dazu kommen Trittpfade im Gras, spindelförmiger Kot und an häufig belaufenen Strecken dunkle Schmierspuren vom fettigen Fell.
Ein Tier am Tag zu sehen ist ein ernstes Zeichen. Ratten sind nachtaktiv; zeigen sie sich tagsüber, ist der Bau meist schon gut besetzt und der Druck auf die Futterplätze hoch.
Wer unsicher ist, ob die Spuren von Ratten, Mäusen oder einem Igel stammen, kann den Verursacher über unsere Übersicht Befall bestimmen eingrenzen. Ein einfacher Test für den Verdachtsort: etwas Mehl am Lochrand ausstreuen und am nächsten Morgen nach Laufspuren sehen.
Warum plötzlich Ratten?
Fast immer gibt es eine neue Futterquelle: offenen Kompost mit Essensresten, Vogelfutter am Boden, Fallobst, Tierfutter auf der Terrasse — oder eine Baustelle in der Nachbarschaft, die einen Bau aufgescheucht hat.
Melden: in vielen Kommunen Pflicht
Ratten gelten als Gesundheitsschädlinge im Sinne des Infektionsschutzgesetzes, weil sie Krankheitserreger übertragen können. Nach § 17 IfSG kann die Behörde eine Bekämpfung anordnen, die dann nur sachkundige Fachkräfte durchführen dürfen.
Unabhängig davon schreiben viele Städte und Gemeinden per örtlicher Satzung vor, dass Rattenbefall dem Ordnungs- oder Gesundheitsamt zu melden ist — teils formlos online, teils telefonisch. Für Grundstückseigentümer kommt häufig die Pflicht dazu, den Befall auf eigene Kosten bekämpfen zu lassen. Ob und wie am eigenen Wohnort gemeldet wird, steht auf der Website der Kommune; ein Anruf beim Bürgeramt klärt es ebenfalls.
Die Meldung ist keine Schikane. Ratten bewegen sich entlang von Kanalisation und Grundstücksgrenzen — bekämpft nur ein Nachbar, wandert der Befall im Viertel weiter. Kommunen koordinieren deshalb oft Beköderungen im Kanalnetz mit den Maßnahmen auf den Grundstücken.
Rattengift: seit 2026 keine Privatsache mehr
Die wichtigste Änderung dieses Jahres: Blutgerinnungshemmende Rattengifte (Antikoagulanzien) sind für Privatleute nicht mehr erhältlich. Im Zuge der EU-weiten Neubewertung nach der Biozidverordnung wurden die Zulassungen so geändert, dass der Handel seit dem 26. April 2026 keine entsprechenden Produkte mehr an private Endverbraucher abgeben darf. Rechtmäßig gekaufte Restbestände dürfen noch bis zum 22. Oktober 2026 aufgebraucht werden — danach ist auch das Auslegen vorhandener Köder unzulässig (Quelle: AHS-Ratgeber zum Rattengift-Verbot, Juli 2026).
Auch für Profis wird es enger: Ab dem 1. Juli 2026 sind Antikoagulanzien nur noch für geschulte berufsmäßige Verwender zugelassen, und die vorbeugende Dauerbeköderung ohne nachgewiesenen Befall entfällt. Das Umweltbundesamt hatte die befallsunabhängige Dauerbeköderung bereits 2014 grundsätzlich untersagt und empfiehlt seit Langem, Fallen dem Gifteinsatz vorzuziehen — unter anderem, weil vergiftete Ratten zur Gefahr für Greifvögel und Füchse werden.
Wer jetzt noch alte Köderpackungen im Schuppen hat, entsorgt sie über die Schadstoffsammlung, nicht über den Restmüll.
Fristen 2026
Seit 26. April 2026 kein Verkauf von Antikoagulanzien-Ködern an Privatleute; Aufbrauchfrist für Restbestände bis 22. Oktober 2026. Danach sind Giftköder ausschließlich Sache sachkundiger Profis.
Was Sie selbst tun können
Die wirksamste Eigenmaßnahme kostet nichts: Futterquellen abstellen. Kompost nur noch in geschlossenen Behältern und ohne gekochte Essensreste, Vogelfutter nicht auf den Boden, Fallobst regelmäßig auflesen, Tierfutter nach der Fütterung hereinholen, Müllsäcke nie neben die Tonne. Ohne Futter gibt ein Bau den Standort meist innerhalb weniger Wochen auf.
Gegen einzelne Tiere sind Schlagfallen zulässig und aus Sicht des Umweltbundesamts die bessere Wahl gegenüber Gift. Sie gehören in einen Köderkasten oder unter eine Abdeckung, damit Vögel, Igel und Haustiere nicht hineingeraten, und werden entlang der Laufwege gestellt — Ratten meiden offene Flächen. Lebendfallen klingen humaner, schaffen aber ein neues Problem: Das Aussetzen verlagert den Befall nur.
Ultraschallgeräte, Buttersäure oder Terpentin im Bau haben keine belegte dauerhafte Wirkung. Bei mehr als vereinzelten Sichtungen, Löchern an mehreren Stellen oder Befall in Gebäudenähe führt an der Fachfirma kein Weg vorbei — die Kosten dafür ordnet der Ratgeber Kammerjäger-Kosten ein.
Wann der Profi übernehmen sollte
Ein Fachbetrieb beginnt nicht mit Ködern, sondern mit einer Befallsermittlung: Wo sind Baue, Laufwege, Futterquellen, Zuwanderungswege? Darauf folgt ein Bekämpfungsplan mit gesicherten Köderstationen oder Fallen und mehreren Kontrollgängen über zwei bis vier Wochen, bis keine Annahme mehr stattfindet. Zum Abschluss gehört die Beratung, wie Zugänge — etwa offene Kellerfenster, defekte Abwasserdeckel oder Spalten unter Gartenhäusern — dauerhaft verschlossen werden.
Die Preisübersicht des Fachbetriebs AHS (Stand Juli 2026) nennt für die Rattenbekämpfung Einstiegspreise ab 149 €; mit mehreren Kontrollterminen und größerem Grundstück wird es entsprechend mehr. Bei behördlich angeordneten Maßnahmen ist die Fachfirma ohnehin Pflicht.
Spätestens wenn Ratten ins Gebäude vordringen — hörbares Nagen, Kot im Keller, angefressene Vorräte — ist Tempo wichtiger als Sparsamkeit: Nagetiere an Stromleitungen sind eine reale Brandgefahr.